Die Brühler Schlosskonzerte

1958 gründete der in Brühl geborene Dirigent, Musikwissenschaftler und Theologe Helmut Müller-Brühl die Brühler Schlosskonzerte. Sein Ziel war es, Schloss Augustusburg aus dem damals drohenden Museumsschlaf zu erwecken und mit einer Konzertreihe einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Unter seiner Leitung bildeten das Kölner Kammerorchester und die Capella Clementina knapp 40 Jahre lang das künstlerische Rückgrat der Brühler Schlosskonzerte. Ende 1995 übergab Helmut Müller-Brühl die künstlerische Leitung der Brühler Schlosskonzerte an Andreas Spering, der als Cembalist und Dirigent zu den führenden Spezialisten für Alte Musik zählt. Hausorchester der Brühler Schlosskonzerte ist seither die von Andreas Spering gegründete Capella Augustina. Von 1991 bis 2013 lag der Vorsitz des Vereins Brühler Schlosskonzerte bei dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Köln, Hans-Peter Krämer. Sein Nachfolger seit dem 6. November 2013 ist Alexander Wüerst, der amtierende Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln.

Als Aufführungsstätte barocker und klassischer Musik haben sich die Brühler Schlosskonzerte über die zurückliegenden fünf Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erworben. Zahlreiche Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter eine große Anzahl zu Unrecht vergessener Stücke, erlebten in Schloss Augustusburg exemplarische Aufführungen. Seit der Spielzeit 2002 stellt Andreas Spering alljährlich den Komponisten Joseph Haydn ins Zentrum seiner programmatischen Arbeit. So hat sich unter dem Dach der Brühler Schlosskonzerte das erste und einzige Haydn-Festival Deutschlands etabliert. Zehn Tage lang präsentieren sich hier jedes Jahr im August die renommiertesten Haydn-Interpreten und stellen das umfangreiche Werk des Wiener Komponisten aus unterschiedlichsten Blickwinkeln vor. Von Anfang an arbeitet das Festival mit dem Joseph Haydn-Institut in Köln zusammen, das die Haydn-Gesamtausgabe herausgibt. Das von Balthasar Neumann gestaltete Prunktreppenhaus von Schloss Augustusburg bietet dazu als Aufführungsort noch heute die unverfälschte Atmosphäre des Haydn-Zeitalters. Hier werden seine Werke als Teil eines künstlerischen Gesamtkunstwerks erlebbar. Das Festival endet mit der inzwischen traditionellen ›Serenade mit Feuerwerk‹ im Schlosspark, die Tausende von Besuchern anzieht und den Ruf genießt, ›das‹ kulturelle Highlight der Region zu sein.

Außerhalb des Haydn-Festivals finden von Mai bis Juli weitere Konzerte im Treppenhaus von Schloss Augustusburg sowie in benachbarten Kirchen und Sälen statt. Besonderes Anliegen war und ist den Schlosskonzerten dabei immer die Förderung des herausragenden musikalischen Nachwuchses: Viele heute in aller Welt bekannte Künstler bestanden ihre ersten Feuerproben auf dem Umkehrpodest des Treppenhauses und kehren immer wieder gern hierher zurück. Angefangen mit Wilhelm Kempff, der schon in den ersten Jahren Gast der Brühler Schlosskonzerte war, liest sich deren Künstlerliste wie ein ›who is who‹ der Musikgeschichte der letzten 50 Jahre. Hier konzertierten u.a. die Akademie für Alte Musik Berlin, das Amati Quartett, Maurice André, das Beaux Art Trio, Kristian Bezuidenhout, Frans Brüggen, das Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, Dennis Russel Davies, Alfred Deller, Jörg Demus, Christoph Eschenbach, Homero Francesch, Sol Gabetta, Reinhard Goebel, Friedrich Gulda, Ingrid Haebler, Ann Hallenberg, The Hilliard Ensemble, Christopher Hogwood, Heinz Holliger, das Jacques-Loussier-Trio, The King’s Singers, Emma Kirkby, Ton Koopman, Musica Antiqua Köln, Olli Mustonen, Dorothee Oberlinger, Christoph Poppen, Ragna Schirmer, Lauma Skride, Maurice Steger, das Trio di Clarone mit Sabine Meyer, Sandor Végh und Johannes Weisser.

Mehrere CD-Einspielungen sind bei den Brühler Schlosskonzerten entstanden. Besonders herausragend ist die Aufnahme des selten zu hörenden Oratoriums ›Il ritorno di Tobia‹ von Joseph Haydn mit der Capella Augustina, dem VokalEnsemble Köln und einer erstklassigen Solistenriege unter der Leitung von Andreas Spering. Sie ist im Anschluss an eine Aufführung bei den Brühler Schlosskonzerten 2006 produziert worden und erhielt 2008 den renommierten Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Bereits 2005 entstand in ähnlicher Besetzung die Einspielung von Joseph Haydns Oratorium ›Die Schöpfung‹, die von der Fachpresse zur Referenzaufnahme erklärt wurde.

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